Was wir wollen

Die Forderung unseres Vereins, die Automobilfähre MEERSBURG ex KONSTANZ zu erhalten, entspringt nicht dem Wunsch, nostalgische Technik in strahlendem Glanz erscheinen zu lassen. Es geht vielmehr um den Erhalt eines der bedeutendsten technischen Zeugnisse dieses Jahrhunderts der Bodenseeregion sowie der Binnenschiffahrtsgeschichte und Verkehrsgeschichte überhaupt: der ersten Automobilfähre des Bodensees. Um dieses Vorhaben zu realisieren, gründeten Freunde früher Technik und Liebhaber historischer Wasserfahrzeuge 1993 den Verein: “Rettet die MEERSBURG ex KONSTANZ!" e.V.


Die KONSTANZ in ihren frühen Jahren.

Die Ziele unseres Vereins sind:

  • die technischen Denkmale - die Fähre MEERSBURG ex KONSTANZ sowie die dazugehörige Landungsbrücke in Konstanz Staad zu erhalten;
  • die erste Automobilfähre möglichst originalgetreu zu restaurieren und sie wieder in Fahrt zu bringen.
  • Das wiederhergestellte Schiff soll unter anderem genutzt werden für:
  • Ausflugsfahrten für Gruppen bis ca. 100 Personen, Familienfeiern, Betriebsausflüge, Ausflugsschiff für Radwandergruppen u.a.
  • kulturelle Veranstaltungen z.B. Konzerte, Theateraufführungen, als Kleinkunstbühne, für Lesungen usw.
  • sowie für technische Einsätze als schwimmende Plattform für wissenschaftliche Arbeiten, z.B. für die Unterwasserarchäologie, als Meßfahrzeug, als mobile Tauchstation oder als Träger für Einsatzfahrzeuge und Gerätewagen, für Bergungen und als Einsatzschiff bei Unfällen oder Katastrophen.

Die restaurierte Fähre soll ausschließlich nach den Grundsätzen der Gemeinnützigkeit betrieben werden.

Aufgrund ihrer allseits offenen Bauweise und ihrer hohen Zuladefähigkeit von ca. 60 Tonnen ist die MEERSBURG ex KONSTANZ universell einsetzbar. Für Regenfahrten ist eine schnell montierbare, wetterfeste Zeltkonstruktion geplant.

Die ursprünglich KONSTANZ und ab 1930 MEERSBURG genannte Fähre ist nicht nur die erste Automobilfähre des Bodensees, sie war die erste Binnensee-Automobilfähre Europas. Mit der auf der Kressbronner Bodanwerft gebauten ‘Fähre Nr. 1’ begann im Herbst 1928 der regelmäßige Autofährverkehr zwischen Konstanz-Staad und Meersburg. Diese Fährverbindung, die sehr bald zu einem der touristischen Höhepunkt des Fremdenverkehrs avancierte, war zur Zeit ihrer Gründung ein riskantes Abenteuer. Die Realisierung der schwimmenden Brücke zeugt von der Voraussicht und der visionärem Kühnheit des damaligen Konstanzer Technischen Bürgermeisters Fritz Arnold. Das städtische Fährunternehmen war damals Teil einer weitblickenden Kommunalpolitik, die auf eine dringend notwendige Verbesserung der verkehrsgeographischen Lage der Stadt allgemein - konkret auf die Erschließung eines neuen Einzugsgebietes für Konstanz - abzielte. Skepsis und Ablehnung für das Projekt herrschten in weiten Teilen der Konstanzer Wirtschaft und der Bevölkerung. Sie fürchteten - nicht zu Unrecht - die von außen hereindrängende Konkurrenz, insbesondere aber auch das finanzielle Risiko des Fährbetriebes. Zusammen mit den erheblichen technischen Schwierigkeiten beim Hafenausbau ergab sich so ein Bild, das nur wenig Anlaß zur Euphorie bot. Die Betriebseröffnung mit der neuen KONSTANZ fand daher im September 1928 nur in aller Stille und ohne große Feierlichkeiten statt. Der Erfolg der neuen Fähre war jedoch bereits am ersten Betriebstag so groß, daß damit selbst die kühnsten Hoffnungen der Stadtväter weit übertroffen wurden. Bereits im Jahre 1930, also nur 2 Jahre nach dem Stapellauf der ersten KONSTANZ, mußte ein weiteres, größeres Fährschiff in Auftrag gegeben werden. Dieses neue Schiff erhielt nun den Namen KONSTANZ, während die erste Fähre ihren Dienst unter dem Namen MEERSBURG verrichten mußte.

Am Anfang all dieser Entwicklungen, die hier nur mit wenigen Worten skizziert werden können, stand unsere Ur-KONSTANZ - bescheidene 32 Meter lang und 9 Meter breit und noch ohne jeglichen Komfort. Das Schiff verrichtete 35 Jahre lang zuverlässig seinen Dienst, bis es 1963 ausgemustert und zum Ramm- und Baggerschiff degradiert wurde.

1992 hat das Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim in einem Gutachten empfohlen, die Fähre "auf Grund ihres historischen Stellenwertes für die Region und aufgrund ihres noch immer guten technischen Zustandes zu erhalten und wieder herzustellen". Auch das Deutsche Schiffahrtsmuseum, Bremerhaven, bescheinigt dem Schiff wie auch der noch in Staad erhaltenen ersten Beladebrücke einen "einzigartigen Stellenwert in der Binnenfährschiffahrtsgeschichte" und erklärt das Schiff wie auch die Brücke als "unbedingt erhaltenswürdig".

Das Landesdenkmalamt hat die MEERSBURG ex KONSTANZ I im Sommer 1994 als erstes und bisher einziges Schiff Baden-Württembergs unter Denkmalschutz gestellt. Das Bundesverkehrsministerium stellte dem Verein für die Restaurierungsarbeiten einen Trockenliege- und Arbeitsplatz in Konstanz unter der neuen Autobahnbrücke zur Verfügung. Dort entstand Anfang 1998 eine Slipbahn, auf der das Schiff bei einem Pegelstand von 4,20m an Land gesetzt wird. Für die Restaurierungsarbeitern stellen die Arbeitsämter Kreuzlingen und Konstanz das notwendige Fachpersonal zu Verfügung. Die Motorenwerke Mannheim haben die Restaurierung der von ihnen 1928 gelieferten Antriebsaggregate kostenlos übernommen. Mehrere Gemeinden sowie namhafte Unternehmen haben ihre Bereitschaft bekundet, sich finanziell an dem Projekt zu beteiligen. Angesichts der beträchtlichen Höhe der veranschlagten Restaurierungskosten sind wir jedoch dringend auf weitere Hilfen angewiesen. Wir würden uns freuen wenn wir auch Sie zu den Förderern unseres Projektes zählen dürften.

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Die MEERSBURG ex KONSTANZ muß wieder fahren!


23. September 1998
Anregungen und Wünsche sind immer willkommen
Uwe Fiedler