Entstehung und Entwicklung von Amtmann Otto Wunderlich, 1953
In einer Besprechung über Verkehrsfragen am 21. November 1914 beantragte Hotelier Augenstein, angeregt aus Kraftfahrerkreisen, die Frage der Einrichtung einer Fähre von Staad nach Meersburg zu prüfen. Am 11. Dezember 1924 genehmigte der Stadtrat, daß ein solcher Plan ausgearbeitet werde. Die Direktion der Stadtwerke sollte die Frage der Beschaffung eines Bootes prüfen und das Tiefbauamt einen Kostenvoranschlag aufstellen für die Zu- und Abfahrtsstelle, wobei an die Rutsche beim Zeppelindenkmal oder an Staad gedacht worden war. Die Konstanzer Zeitung, die Deutsche Bodensee-Zeitung und das Meersburger Gemeindeblatt befaßten sich ebenfalls in positivem Sinne mit dem Projekt. Ein weitsichtiger Einsender schrieb, daß durch Schaffung einer Fähre sich dem Konstanzer Handel ein ganz neuer Kundenkreis öffnen würde. Man könne die Ware dann am Lager laden und dem Kunden über den See vor das Haus führen.
Am 19. Januar 1925 ergänzte der Stadtrat seinen Beschluß durch die Forderung, daß die Interessenten gehört werden sollen. Oberbürgermeister Dr. Moericke lud daraufhin zum 23. Januar 1925 über 20 Vertreter Konstanzer Unternehmungen zu einer Besprechung ein, in der sich Bürgermeister Arnold für die Schaffung der Fähre einsetzte, auch wenn diese sich nicht voll rentieren würde. Er dachte an ein Boot von 22-28 m Länge und 6-8 m Breite für etwa sechs Personenwagen und zwei Lastwagen mit Anhänger. Wenn die erforderlichen Mittel für die Straßenherstellung und für eine Anlandestelle beschafft werden könnten, sei er für Staad. Die Herren Dr. Stromeyer, Oberbürgermeister Dr. Moericke, Handelskammer-Syndikus Braun und Ing. Graf traten ebenfalls für das Projekt und für Staad als Landungsstelle ein. Letzterer erklärte: "Der kürzeste Weg wird am meisten benützt.« Der Respizient der Stadtwerke und Verkehrsbetriebe, Stadtrat Ruppaner, prägte in klarer Erkenntnis der wirtschaftlichen Seite die Formel: "Der Betrieb Staad-Meersburg wird billiger, die Anlage dagegen teurer. Der Betrieb Konstanz-Meersburg wird teurer, die Anlage dagegen billiger." Baurat Hartmann bezeichnete die Anlage Staad für verkehrsgünstiger. Ein Einsender schrieb am 30. 1. 1925 in der Bodensee-Zeitung: "Einig ist man, daß eine Verbindung vom Linzgau mit der Kreishauptstadt dringend notwendig ist. Konstanz, vom See und durch Zollschranken abgeschlossen, muß neue Wege zu seinem natürlichen Hinterland suchen, nachdem die Reichsbahn dafür kein Verständnis hat oder aus finanziellen Gründen nichts zu unternehmen wagt. Wo das Verständnis fehlt - und wir am See sind das von Karlsruhe gewohnt - da müssen sich die Interessenten selbst helfen."
Diese Auslassungen bezogen sich auf die ungünstige wirtschaftliche Lage von Konstanz, das durch den ersten Weltkrieg von seinem schweizerischen Hinterland, den Kantonen Thurgau und St. Gallen, abgeschlossen worden war, wodurch ein großer Teil des Handels sein Absatzgebiet verlor. Die Anregung zur Schaffung einer Fähre war von der Reichsbahn nicht günstig aufgenommen worden. Zudem waren die Schiffsverbindungen im Überlingersee denkbar mangelhaft. Ein Antrag der Stadt Konstanz an die Bahnbau-Inspektion Konstanz um Überlassung von Gelände am Güterhafen wurde von der Reichsbahndirektion Karlsruhe abgelehnt. Damit war auch die Frage des Landeplatzes auf der Konstanzer Seite für Staad entschieden.
Inzwischen wurden nun etwa 600 Kraftfahrzeugbesitzer im Seekreis um ihre Meinung zum Fähreprojekt gefragt. Die Antworten waren durchaus positiv; sie dienten mit als Grundlage für die Erfolgsrechnung. Zur weiteren Behandlung des Fähreprojektes wurde ein vorbereitender Ausschuß gebildet, dem folgende Herren angehörten: Oberbürgermeister Dr. Moericke, Bürgermeister Arnold, Stadtrat Ruppaner, Stadtrat Ruppert, Stadtrat Greiner, Stadtv.-Obmann Ellegast, Baurat Hartmann.
Dem Ausschuß, der am 12. Oktober 1925 erstmals zusammentrat, wurde durch Bürgermeister Arnold ein Kostenvoranschlag vorgelegt, der 250 000 RM Aufwand für zwei Landestellen und ein Schiff von 26 m Länge vorsah. Die Betriebsausgaben waren pro Jahr bei acht Mann Personal auf 70000 RM veranschlagt. Auf Vorschlag des vorbereitenden Ausschusses beschloß der Stadtrat am 19. November 1925 die Genehmigung von 400 000 RM. Gleichzeitig sollte die Regierung um einen Staatszuschuß ersucht werden und Meersburg einen Beitrag von 45 000 RM übernehmen. In der in Konstanz erscheinenden Bürgerzeitung wurde die Errichtung der Fähre als Luxus bezeichnet.
Am 7. Dezember 1925 bat Oberbürgermeister Dr. Moericke den Minister des Innern in einem wohlbegründeten Schreiben um Gewährung eines einmaligen Staatszuschusses und ebenso die Stadt Meersburg um einen einmaligen Zuschuß in Höhe von 45 000 RM. Dieser Antrag wurde auch durch die Landtagsabgeordneten Amann, Großhans und Gründert unterstützt. Zunächst unternahm mit Einverständnis der Stadt Konstanz der badische Minister der Finanzen den Versuch, die Reichsbahn zum Bau der Fähre zu bewegen. Dieser Versuch mißlang, worauf die Gewährung eines Darlehens von 100 000 RM zugesagt wurde. Der vorbereitende Ausschuß befaßte sich am 19. 10. 1926 nochmals mit der Frage, wo die Fähreverbindung ihren Ausgang und wo sie ihr Ende nehmen soll. Fünf Strecken standen in Erwägung:
- nordwestlich Mainau bis Unteruhldingen = 4,5 km
- südöstlich Mainau bis Unteruhldingen = 4,1 km
- Staad - Meersburg = 4,5 km
- Eichhorn - Meersburg = 6,1 km
- Klein-Venedig - Meersburg = 8,7 km
Der Ausschuß entschloß sich für die Linie 3, auf der mit einem Boot der Verkehr so bald als möglich aufgenommen werden sollte. Endgültig beschloß der Stadtrat am 21. Oktober 1925 das Fähreprojekt zu genehmigen und den Bürgerausschuß um Zustimmung zu ersuchen. Zuvor wurde noch der Finanzausschuß gehört, der wegen zu erwartender Unwirtschaftlichkeit die Vorlage mit 7:3 Stimmen ablehnte. Die entscheidende Bürgerausschußsitzung fand am 9. November 1926 statt. Oberbürgermeister Dr. Moericke empfahl die Vorlage, Bürgermeister Arnold begründete sie nach der technischen Seite anhand ausgelegter Pläne. Mit großer Mehrheit wurde folgender Beschluß angenommen:
»Die Stadt errichtet und betreibt eine Kraftwagenfähre Konstanz - Meersburg. Der Aufwand für die Einrichtung der Landestellen und den Kauf des Fährschiffes mit 300 000 RM ist aus Anlehensmitteln zu beschaffen und in 20 Jahren zu tilgen."
Am Dreikönigstag 1927 sprachen in der großen Turnhalle in Meersburg Bürgermeister Dr. Moll, Meersburg, über `Unsere Zukunft am Bodensee' und Bürgermeister Arnold, Konstanz, über `Die Kraftwagenfähre'. Beide Redner traten wärmstens für die Schaffung der Fähre ein. Mit den Vorarbeiten für den Bau des Hafens in Staad war schon im Dezember 1926 begonnen worden. Mit allem Nachdruck wurden nun die Arbeiten weitergeführt, und bereits am 27. Januar 1927 wurde vom Stadtrat die Zustimmung zur Beschaffung des Fährschiffes erteilt. Der Auftrag wurde der Bodan-Werft in Kreßbronn überschrieben für ein Schiff von 32 m Länge anstatt, wie ursprünglich vorgesehen, nur 26 m. Bei der Wahl des Hafenplatzes jenseits des Sees entschied sich der Stadtrat im März 1927 für Meersburg, und zwar für einen Platz westlich der Stadt. Hier ergaben sich aber wegen der hohen Kosten für den Geländeerwerb zunächst noch Schwierigkeiten, die nur nach Bewilligung weiterer Mittel beseitigt werden konnten.
Es ist rückschauend interessant nachzulesen, welche Bedenken gegen die Wahl von Meersburg geäußert wurden. 28 Gemeinden des Linzgaues und einige andere Interessenten ließen dem Bad. Ministerium des Innern einen gedruckten Einspruch zugehen. Darin hieß es, daß das Projekt Konstanz-Meersburg seinen Zweck nicht erfüllen würde, sondern daß es gleichbedeutend wäre mit einem wirtschaftlichen Ruin für den ganzen Überlingersee und seine Umgebung.
Nun konnte die Werbung für die Fähre beginnen. In den Sektionen der schweizerischen Automobilclubs wurde, wie beim ADAC und beim AvD in Vorträgen auf die günstige Süd-Nordverbindung hingewiesen. Durch das städtische Tiefbauamt wurden unter Leitung von Oberbaurat Lutz und Baurat Hartmann die Hafenanlagen in Staad und Meersburg geplant und begonnen.Die Bürgermeister von Überlingen, Radolfzell, Singen, Salem und Unteruhldingen sprachen dem Fähreprojekt in einer Eingabe vom 18. 10. 1927 jeden volkswirtschaftlichen Wert ab. Der Kreisrat lehnte eine Unterstützung des Unternehmens ebenfalls ab. Da die Baukosten erheblich höher wurden, als ursprünglich veranschlagt, kamen die Fürsprecher des Projektes in eine schwierige Situation, zumal auch die Kosten für das Schiff sich höher stellten, als anfangs errechnet. Oberbürgermeister Dr. Moericke und Bürgermeister Moll sprachen wiederholt bei dem Minister der Finanzen wegen einer höheren Unterstützung vor. Eine weitergehende Förderung wurde aber vom Finanzministerium mit Rücksicht auf die schlechte Finanzlage des Staates abgelehnt.
Nachdem in der Zwischenzeit der Hafenbau in Staad zum größten Teil fertiggestellt und auch der Schiffsbau schon in den Spanten vollendet war, blieb dem Stadtrat nichts weiter übrig, als am 9. Dezember 1927 Mittel in einer Gesamthöhe von 608 000 RM zu genehmigen. Der gut begründeten Vorlage an den Bürgerausschuß war eine Wirtschaftlichkeitsberechnung beigefügt, die bei 18 Fahrten täglich Jahresausgaben in Höhe von 95000 RM und Jahreseinnahmen von 85 000 RM vorsah.
In der nun über das ganze Projekt entscheidenden Sitzung am 13. Dezember 1927, in der sich besonders Oberbürgermeister Dr. Moericke, Bürgermeister Arnold, Stadtv.-Obmann Ellegast, einsetzten, stimmten 63 Stadtverordnete für und 20 gegen die Gewährung der erforderlichen erhöhten Mittel.
Der Bau des ersten Fährschiffes schritt voran, und am 7. Februar 1928 wurde in Anwesenheit der Vertreter der Stadt der Schiffsrumpf im Rohbau zu Wasser gelassen. Am 21. Juni fuhr das inzwischen fertiggestellte Fährschiff KONSTANZ, das nach der Lieferung des zweiten Schiffes den Namen MEERSBURG erhielt, in den Hafen Konstanz ein. Eine große Zahl Einwohner hatte sich zur Besichtigung eingefunden. Gegen Abend wurde mit dem Schiff auch Meersburg angefahren, wo es mit großem Jubel und Böllerschüssen begrüßt wurde. Die Prüfung des Schiffes durch einen besonders bestellten Sachverständigen ergab, daß es durchaus den Anforderungen, die gestellt wurden, entspreche, und daß es auch mit seitlich liegendem Steuerstand vollkommen steuer- und fahrfähig sei.
Inzwischen gingen die Fertigstellungsarbeiten am Hafen in Staad dem Ende zu, weshalb der Stadtrat am 21. September 1928 verfügte, daß der Fährebetrieb am 30. September 1928 aufgenommen werden sollte. Die erste Fahrt sollte um 7 Uhr und die letzte um 21 Uhr ab Staad erfolgen, in jeder Richtung also 15 Fahrten. Nachdem am 29. September 1928 - einem Samstag - noch Probeübersetzungen stattfanden, wurde am 30. September 1928 der fahrplanmäßige Betrieb eröffnet. Die ersten sieben Tage erbrachten folgende Beförderungsziffern:
Tag Pkw Motorräder Fahrräder Busse LKW Anhänger Zugmasch. Fuhrwerke Vieh Sonstiges Personen So. 30.9. 57 22 66 - - - - - - - 584 Mo. 1.10. 54 19 16 1 - - - 3 - 1 359 Di. 2.10. 64 15 46 - 11 - - 5 2 - 450 Mi. 3.10. 70 37 70 - 13 - - - 1 - 511 Do. 4.10. 62 24 47 1 17 2 - 5 1 - 371 Fr. 5.10. 68 18 60 - 21 3 - 7 - - 294 Sa. 6.10. 62 16 88 1 13 - - 6 - - 530 Summe 437 151 393 3 75 5 - 26 4 - 3099 In der 2. Woche: 7.-13.10. 556 193 550 6 87 11 1 18 4 1 5380 Diese Ziffern lassen erkennen, daß die Fähre sofort Anklang fand und daß sich bereits ein Stamm von Pkw- und Lkw-Fahrern als Kunden zu bilden begann. Es mag den Männern, die die Verantwortung trugen und die bis dahin viel Kritik sachlicher und unsachlicher Art über sich hatten ergehen lassen müssen, schon wesentlich leichter geworden sein, denn es war bereits erkennbar, daß ihre Voraussagen sich zu erfüllen begannen.
Im Frühjahr 1929 nahm der Verkehr erheblich zu, so daß die Frage geprüft werden mußte, ob ein zweites Fährschiff beschafft werden solle. Im Mai 1929 wurde nach eingehender Begründung durch die Direktion der Stadtwerke der Antrag auf Beschaffung eines zweiten Schiffes, das eine andere Bauart und größere Ausmaße haben sollte, vorgelegt. Der Stadtrat genehmigte hierfür 300 000 RM und für die Schaffung eines Liegeplatzes 100 000 RM, zus. 400 000 RM. Der Auftrag zum Bau des Schiffes wurde der Bodanwerft in Kreßbronn zum Preise von 294 000 RM erteilt. Im Gegensatz zum Vorjahre erfolgte die Genehmigung im Bürgerausschuß einstimmig. Am 25. April 1930 fand der Stapellauf des neuen Schiffes statt, dem Frl. Friedel Arnold folgenden Taufspruch mitgab:
"Du schlägst die Brücke für die Völker!
Du trägst die Güter für uns Menschenkinder!
Als Sinnbild kommenden Lebenswillens
Diene dem Wohlergehen unserer Heimat
Glückauf der KONSTANZ"Der damalige Bürgermeister Knapp, der an die Stelle des in den Ruhestand versetzten Bürgermeisters Dietrich getreten war, gab im Namen der Stadt Konstanz seiner Befriedigung über die glückliche Fertigstellung Ausdruck. Am 7. Mai 1930 traf das Schiff in Staad ein. Es wurde im gleichen Monat nach erfolgter Prüfung und Zulassung in den regelmäßigen Dienst gestellt.
Die Beförderungsziffern erhöhten sich laufend, so daß schon im Jahre 1934 über die Beschaffung eines dritten Schiffes Beratungen geführt wurden. Aber erst am 1. Oktober 1937 kam es zur Bestellung des Schiffes wiederum bei der Bodanwerft. Am 15. April 1939 lief es vom Stapel und erhielt den Namen BODAN. Am 7. Mai 1939 erfolgte die Einstellung in den regelmäßigen Fahrdienst.
Die Kriegsauswirkungen machten sich alsbald bemerkbar. Wegen Einziehung von Fahrzeugen für Heereszwecke und infolge der Kontingentierung von Treibstoffen wurde der Verkehr stark rückläufig. Im Jahre 1941 wurde das Schiff BODAN und im Jahre 1942 auch das Schiff KONSTANZ II von der deutschen Marine in Anspruch genommen, so daß nur noch das Schiff MEERSBURG ex KONSTANZ I verkehrte. Selbst für dieses wurde noch der Fahrplan auf durchschnittlich etwa sechs Fahrten am Tage gekürzt. Mit dem 25. April 1945 wurde der Betrieb vorläufig stillgelegt. Am 26. April rückten die Besatzungstruppen ein.
Nach dem Einmarsch der Besatzungstruppen ruhte zunächst der Betrieb vom 27. April bis einschließlich 7. Juni 1945. Alsdann wurden die Schiffe KONSTANZ II und BODAN von der Besatzungsmacht für Truppen- und Panzertransporte beansprucht.
Vom 3. Juli 1945 an wurde ein Schiff mit regelmäßigem Fahrplan von 8 bis 19 Uhr wieder in Betrieb genommen, ohne daß ein Fahrpreis erhoben werden durfte. Vom 19. August bis 7. November 1945 waren nur noch zwei Fahrten in jeder Richtung erlaubt. Die Zivilpersonen mußten vom 19. August 1945 an den früher geltenden Fahrpreis bezahlen, das Militär und das ausländische Zivilpersonal war kostenfrei zu befördern. Das Verfügungsrecht über die Einnahmen behielt sich die Besatzungsmacht vor. Eine Verbesserung des Fahrplanes auf 18 Fahrten, also 9 in jeder Richtung, trat am 1. Februar 1946 ein. Immer wieder mußten Sonderfahrten für die Truppe ausgeführt werden.
Die Fahrzeuge der Besatzungstruppen und ihres Gefolges hatten Vorfahrtsrecht. Zwei Fährschiffe konnten erstmals wieder vom 19. April 1949 an eingesetzt werden, so daß der Sommerfahrplan einigermaßen dem wieder angestiegenen Bedürfnis gerecht wurde. Das dritte Schiff konnte bei Bedarf ebenfalls wieder zum Einsatz gelangen.
Bis zum Rechnungsjahr 1950/51 mußten alle Beförderungen für die Besatzung und den sehr weit gesteckten Kreis des sogenannten Heeresgefolges kostenlos ausgeführt werden. Es war nicht nur eine turbulente, sondern eine sehr verlustreiche Zeit für den Fährebetrieb.Langsam traten wieder normale Zeiten ein. Die Beförderungsziffern wuchsen über die besten Friedensjahre hinaus, so daß an einzelnen Tagen der Verkehr nur mit Mühe bewältigt werden konnte und längere Wartezeiten von den Kraftfahrern in Kauf genommen werden mußten. Dies, obwohl drei Schiffe eingesetzt waren. Verstopfungen der Zufahrtsstraßen traten ein. Polizei mußte in verstärktem Maße zur Verkehrsregelung eingesetzt werden.
(Auszug aus: "25 Jahre Bodenseefähre Konstanz/Staad - Meersburg", 1953. Mit freundlicher Genehmigung der Stadtwerke Konstanz)
P.S.
Am 1. August 1952 nahm das vierte Fährschiff seinen Dienst auf. Der Auftrag zum Bau der 49m langen LINZGAU war an die Werft in Deggendorf vergeben worden. Der Schiffsrumpf wurde zunächst in Deggendorf aufgebaut, dann wieder zerlegt, um in Einzelstücken an den See transportiert zu werden. In Ludwigshafen wurde das Schiff endgültig zusammengesetzt und lief hier am 5. April 1952 vom Stapel. Die LINZGAU sollte die letzte Fähre mit Propellerantrieb sein. Als weitere Schiffe der Konstanzer Verkehrsbetriebe folgten 1954 die THURGAU, 1956 die HEGAU und am 1. Juni 1963 die 54 m lange FRITZ ARNOLD. Heute sind zwischen Meersburg und Staad insgesamt 6 Schiffe in Fahrt und eins steht in Reserve.
Unsere kleine MEERSBURG ex KONSTANZ I, die erste Binnensee-Automobilfähre Europas, wurde am 21. Oktober 1963 nach 35 Jahren Fahrzeit, aus ihrem Dienst entlassen. Bis zu diesem Tag hatte sie sechs Nachfolgeschiffe erlebt und das transportstärkste Fährunternehmen und größte Binnen-Fährunternehmen Europas begründet. Das ausgemusterte Schiff arbeitete fortan als Bagger- und Rammschiff unter dem Namen LUKAS für verschiedene Eigner, bis sie schließlich an der Überlinger Mole in einen rostfördernden Dornröschenschlaf verfiel. Im Juli 1996 wurde das Schiff durch unseren Verein und eine moderne Fähre der Stadtwerke Konstanz zu einer eingehenden Rumpfuntersuchung auf die Mutterwerft nach Kressbronn geschleppt und anschließend durch ein Feuerlöschboot der Feuerwehr Konstanz unter die neue Rheinbrücke nach Konstanz verholt. Im Schutz der Brücke soll das Schiff in den kommenden Jahren von Grund auf restauriert werden. kk
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Die MEERSBURG ex KONSTANZ muß wieder fahren!
20. Dezember
1998
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Uwe Fiedler