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- Blick auf die Staader Fährbrücke in den 20er Jahren.
Die Brücke Eine Fährverbindung besteht nicht nur aus dem Schiff allein. Ohne geeignete Straßenanbindung und spezielle Beladeeinrichtungen ist die Funktion einer Automobilfähre undenkbar. Speziell für unsere KONSTANZ wurde von dem damaligen Konstanzer Stadt-Oberbaurat Theodor Lutz zum ersten Mal eine Ladebrücke entwickelt, die das Straßenniveau über eine bewegliche Rampe dem Decksniveau der Fähre anpaßt. Die Brückenkonstruktion besteht aus der eigentlichen 22 m langen Zufahrtbrücke, die landseitig in einem kräftigen Wiederlager aufgefangen wird, das so konstruiert ist, daß es kräftige Schiffsstöße aufnehmen kann. Die seeseitige Hebevorrichtung, macht es möglich, daß mit der Ladebrücke ein Wasserstandsunterschied von 3,25 m überwunden werden kann. Die Höheneinstellung geschieht mittels flachgängiger Hubspindeln, die anfangs mit Handkurbeln von der Brückenfahrbahn aus angetrieben werden. Heute übernimmt ein Elektromotor diese Aufgabe. Bereits bei der Brückenplanung hatte man an die Möglickeit eines solchen elektrischen Antriebes gedacht.
Einfahrt des Fährschiffes in das Brückenleitwerk auf
Meersburger Seite, 1928.
Das Konstanzer Ladebrückenprinzip ist heute internationaler Standard. Die heute noch in Staad befindliche Fährbrücke aus dem Jahr 1928 ist somit in ihrer geschichtlichen Bedeutung nicht weniger wichtig, als die mittlerweile denkmalgeschützte Fähre MEERSBURG ex KONSTANZ. Das Deutsche Schiffahrtsmuseum hat dies im Jahre 1996 gutachterlich bestätigt. Leider kam das Gutachten des Industriearchäologen Dr. Peters zu spät, um die bereits Jahre zuvor erteilte Abbruchgenehmigung für die Brücke zu verhindern. Das Landesdenkmalamt war, als es die Genehmigung erteilte, über die historische Bedeutung der Staader Brücke desinformiert. Das Schutzbedürfnis der Brücke wurde vom zuständigen Amt in dem Moment erkannt, als die dazugehörige Fähre auf unser Betreiben hin zum schwimmenden Denkmal erklärt wurde. Inzwischen hofft man auch im Denkmalamt auf eine bessere Einsicht der Baubetreiber, die am jetzigen Standort der Brücke den Bau eines Yachthafens planen.Die Geschichte des heutigen Konstanzer Stadtteils Staad ist eng mit der Fischerei und der Geschichte des Fährbetriebs über den Bodensee verknüpft. Staader Fährrechte lassen sich bis weit ins Mittelalter hinein zurückverfolgen. Mit Inbetriebnahme der ersten Automobilfähre KONSTANZ und der 1928 für sie entwickelten, damals völlig neuartigen Landungseinrichtungen, hat Staad internationale Fährgeschichte geschrieben. Die historische Brücke zu entfernen würde bedeuten, das letzte und wichtigste noch bestehende Zeugnis der Staader-Fährgeschichte - für ein paar zusätzliche Yacht-Liegeplätze - für immer zu vernichten.
Die Bürger von Konstanz-Staad haben mittlerweile die Bedeutung der historischen Brücke für ihren Stadteil erkannt. Die rührige Bürgervereinigung Allmannsdorf-Staad e.V. setzt sich aktiv dafür ein, daß die historisch bedeutende Brückeneinrichtung für ihren Stadteil erhalten bleibt. Gemeinsam mit den Konstanzer Stadtwerken bemüht sich die Bürgerschaft zur Zeit um die Genehmigung eines neuen Standortes, der nur wenige Meter vom jetzigen Bauwerk entfernt liegt. An dem neuen Standort der Brücke könnte dann auch das alte Fährschiff wieder seinen Liegeplatz finden. Nach fast vierzig Jahren wieder zusammengeführt, würden das historische Schiff und die Brücke ein einmaliges Ensemble der Verkehrs- und Technikgeschichte darstellen. kk
Konstruktionsprinzip der Konstanzer Fährbrücke.
Die MEERSBURG ex KONSTANZ muß wieder fahren!
23. September 1998
Anregungen und Wünsche sind immer willkommen
Uwe Fiedler